Wir stehen morgens früh auf, ziehen uns an, frühstücken, Tee und Maandazi (ausfrittiertes Hefegebäck), machen uns arbeitsfertig, schwingen uns auf unsere Fahrräder und fahren zur Arbeit. Luise zur Schule und ich zur Dispensary. Beide liegen fast nebeneinander am anderen Ende des Dorfes. Deswegen die Fahrräder. Ich begebe mich dann sofort in den Raum, in dem sich morgens alle Mitarbeiter zum Morgengebet und zur Fallbesprchung treffen. Das kann fünf Minuten oder auch eine dreiviertel Stunde dauern. Anschließend wendet sich jeder seiner Arbeit zu. Dass heißt für mich, dass ich mich ins Labor begebe. Ist außer mir noch kein Labormitarbeiter da, muss ich halt selbst aufschließen. Eigentlich sollen alle um viertel vor acht da sein, hat man mir gesagt. Daran habe ich mich die erste Zeit auch gehalten, war damit aber so ziemlich die einzige. Also bin ich dazu übergegangen, erst um kurz vor acht da zu sein. Um acht kommt dann Sista Angelica, und es wird gebetet. Zu der Zeit sind wir meistens zu viert. Bis halb neun trudelt dann normalerweise der Rest ein. Tansanische Zeitrechnung halt.
Im Labor geht es erst mal mit dem täglichen „redusten“ los, dass heiß, das ganze Labor wir sauber gemacht. Aalle Oberflächen werden mit Spiritus oder Bleiche oder beidem abgewischt (meine Aufgabe) und der Boden wird gefegt, gewischt, oder auf beide Arten gesäubert (je nachdem, wer da ist).Sobald alles sauber ist, kommen meistens auch schon die ersten Patienten. Was bedeutet, dass meine Arbeit beginnt. Ich sitze gegenüber der Tür, empfange die Patienten, die vorher bereits beim „Daktari“ waren und entnehme ihrem Heft, auf was getestet werden soll.
Für Malaria wird nur in den Finger gestochen und ein Blutfilm auf einem Objektträger angelegt. Für Syphilis, HIV, Blutzucker und Hämoglobinwerte brauchen wir ebenfalls nur einen Tropfen Blut. Für einen Typhustest brauchen wir Blutserum, also muss ich Blut abnehmen, ebenso für ein großes Blutbild, was hier liebevoll „full bloody picture“ genannt wird, und Blutgruppentests („bloodygrouping“). Außerdem werden bei uns noch Stuhl und Urinproben untersucht. Interessanterweise scheinen die meisten Patienten mehr Angst davor zu haben, dass ich ihnen in den Finger piekse, als dass ich ihnen Blut abnehme. Ich habe keine Ahnung warum, wenn ich manchmal sehe, wie ein Kollege von mir Blut abnimmt. Besonders kleine Kinder muss man manchmal sehr gut festhalten. Das ist nicht immer schön...
Wenn gerade keine Patienten angenommen werden müssen, begebe ich mich in den hinteren Teil des Labors, wo die ganzen Tests durchgeführt werden. Dort arbeite ich fast ausschließlich mit den Blutproben. Außer, dass ich die Malariaparasiten nie finde. Immer wenn ich welche suche, hat der Patient kein Malaria gehabt. Glück für ihn, Pech für mich. Alle Testergebnisse müssen dann anschließend noch „recorded“ werden. Also in Bücher eingetragen werden.
Zwischen zehn und zwölf Uhr sagt mir Ainess dann immer Bescheid, dass es „Chai“ gibt, dass heißt nochmal Tee und Chapati oder Maandazi dazu. Danach arbeite ich weiter, bis etwa um ein Uhr und bin dann fertig. Manchmal holt Luise mich ab oder hilft noch kurz aus, wenn sie früh Schulschluss hat, und manchmal fahre ich sie abholen. Um mich dann jedesmal dafür zu rechtfertigen, warum um alles in der Welt ich nicht mitessen möchte. Aber zu Hause wird ja extra für uns mitgekocht.
Mittags gibt es bei uns immer Ugali (Maisbrei, relativ geschmacklos) mit Gemüse. Aber immer anderes Gemüse. Sehr lecker ist „kabish“ (Weißkohl, vom engl. cabbage). Den Nachmittag verbringen wir dann unterschiedlich. Mal mit Waschen, mit der Hand in Eimern natürlich, mal mit Aufräumen und Saubermachen (wir haben Fledermäuse mit reger Verdauung im Zimmer, und das große Käfersterben), mal gehen wir auch einfach nur Spazieren oder „kupumziken“ ((kiswahili kupumzika = ausruhen). Abends begeben wir uns manchmal mit in die Küche, um Kochen zu lernen. Interessanterweise herrscht in unserer Familie die Vorstellung, wir könnten gar nicht kochen oder backen. So wurden wir schon öfter halb erstaunt halb entsetzt angeguckt, wenn wir etwas in die Richtung gemacht haben. Vor allem Teig kneten ist anscheinend undenkbar. Mmein Gastbruder wollte mir nicht glauben, dass ich den tatsächlich vom Mehl bis zum fertigen Teig ganz allein hergestellt habe, meine Gastschwester hat mich gefragt, wer mir das beigebracht hat. Als ich sagte „meine Mama“ war sie fassungslos, dass die das ja auch kann. Das wirkt auf uns immer etwas irritierend.
Abends duschen wir dann immer noch, sobald das Duschwasser heiß ist, da wir ja kein fließendes Wasser haben, muss das Wasser vorher gekocht werden, wird dann mit kaltem Wasser gemischt und wir können duschen. Mit zwei Eimern, einem großen mit Wasser drin und einem kleinen zum schütten. Funktioniert hervorragend und man kann nicht eine halbe Stunde duschen, weil man fertig ist, wenn der Eimer leer ist.
Gegessen wird hier zwischen neun und zehn. Abends ist das Essen etwas abwechslungsreicher als Mittags und meistens sehr lecker. Bis jetzt aht uns immer alles geschmeckt. Besonders hoch im Kurs stehen bei mir „Wali na maharge“ (Reis mit Bohnen) und „Makande“ (Mais-Bohnen-Eintopf). Selten gibt es auch mal Chapati, die dann Luise und ich machen dürfen. Wenn es abends nochmal Ugali gibt, bekommen Luise und ich und Mama meistens Nudeln, was uns ganz gelegen komm, da Ugali nicht so cool ist, dass ich ihn zweimal täglich essen müsste. Unsere Abendbeschäftigung heißt dann oft „Spielen“! Mittlerweile wechseln wir zwischen Knack, Halli-Galli, Scrams und Lobo 77 (auf Swahili, nicht so einfach, wenn man müde ist). Danach sind wir auch so müde, dass wir uns nach einer Runde Zähneputzen unterm Sternenhimmel direkt ins Bett begeben. Manchmal gucken wir abends aber ach noch einen Film :)
Das ist so ungefähr, was wir hier so täglich machen. Weiter Fragen bitte direkt an mich :)
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