Montag, 23. Januar 2012

Der normale Alltag

Ich kann ja nicht immer nur davon berichten, was hier alles besonderes passiert, es ist ja nicht so, dass wir hier nur Urlaub machen und Abenteuer erleben. Nein, wir führen dazwischen auch ein ganz normales Leben. So ungefähr sieht ein normaler Wochentag bei uns aus:

Wir stehen morgens früh auf, ziehen uns an, frühstücken, Tee und Maandazi (ausfrittiertes Hefegebäck), machen uns arbeitsfertig, schwingen uns auf unsere Fahrräder und fahren zur Arbeit. Luise zur Schule und ich zur Dispensary. Beide liegen fast nebeneinander am anderen Ende des Dorfes. Deswegen die Fahrräder. Ich begebe mich dann sofort in den Raum, in dem sich morgens alle Mitarbeiter zum Morgengebet und zur Fallbesprchung treffen. Das kann fünf Minuten oder auch eine dreiviertel Stunde dauern. Anschließend wendet sich jeder seiner Arbeit zu. Dass heißt für mich, dass ich mich ins Labor begebe. Ist außer mir noch kein Labormitarbeiter da, muss ich halt selbst aufschließen. Eigentlich sollen alle um viertel vor acht da sein, hat man mir gesagt. Daran habe ich mich die erste Zeit auch gehalten, war damit aber so ziemlich die einzige. Also bin ich dazu übergegangen, erst um kurz vor acht da zu sein. Um acht kommt dann Sista Angelica, und es wird gebetet. Zu der Zeit sind wir meistens zu viert. Bis halb neun trudelt dann normalerweise der Rest ein. Tansanische Zeitrechnung halt.
Im Labor geht es erst mal mit dem täglichen „redusten“ los, dass heiß, das ganze Labor wir sauber gemacht. Aalle Oberflächen werden mit Spiritus oder Bleiche oder beidem abgewischt (meine Aufgabe) und der Boden wird gefegt, gewischt, oder auf beide Arten gesäubert (je nachdem, wer da ist).Sobald alles sauber ist, kommen meistens auch schon die ersten Patienten. Was bedeutet, dass meine Arbeit beginnt. Ich sitze gegenüber der Tür, empfange die Patienten, die vorher bereits beim „Daktari“ waren und entnehme ihrem Heft, auf was getestet werden soll.
Für Malaria wird nur in den Finger gestochen und ein Blutfilm auf einem Objektträger angelegt. Für Syphilis, HIV, Blutzucker und Hämoglobinwerte brauchen wir ebenfalls nur einen Tropfen Blut. Für einen Typhustest brauchen wir Blutserum, also muss ich Blut abnehmen, ebenso für ein großes Blutbild, was hier liebevoll „full bloody picture“ genannt wird, und Blutgruppentests („bloodygrouping“). Außerdem werden bei uns noch Stuhl und Urinproben untersucht. Interessanterweise scheinen die meisten Patienten mehr Angst davor zu haben, dass ich ihnen in den Finger piekse, als dass ich ihnen Blut abnehme. Ich habe keine Ahnung warum, wenn ich manchmal sehe, wie ein Kollege von mir Blut abnimmt. Besonders kleine Kinder muss man manchmal sehr gut festhalten. Das ist nicht immer schön...
Wenn gerade keine Patienten angenommen werden müssen, begebe ich mich in den hinteren Teil des Labors, wo die ganzen Tests durchgeführt werden. Dort arbeite ich fast ausschließlich mit den Blutproben. Außer, dass ich die Malariaparasiten nie finde. Immer wenn ich welche suche, hat der Patient kein Malaria gehabt. Glück für ihn, Pech für mich. Alle Testergebnisse müssen dann anschließend noch „recorded“ werden. Also in Bücher eingetragen werden.
Zwischen zehn und zwölf Uhr sagt mir Ainess dann immer Bescheid, dass es „Chai“ gibt, dass heißt nochmal Tee und Chapati oder Maandazi dazu. Danach arbeite ich weiter, bis etwa um ein Uhr und bin dann fertig. Manchmal holt Luise mich ab oder hilft noch kurz aus, wenn sie früh Schulschluss hat, und manchmal fahre ich sie abholen. Um mich dann jedesmal dafür zu rechtfertigen, warum um alles in der Welt ich nicht mitessen möchte. Aber zu Hause wird ja extra für uns mitgekocht.

Mittags gibt es bei uns immer Ugali (Maisbrei, relativ geschmacklos) mit Gemüse. Aber immer anderes Gemüse. Sehr lecker ist „kabish“ (Weißkohl, vom engl. cabbage). Den Nachmittag verbringen wir dann unterschiedlich. Mal mit Waschen, mit der Hand in Eimern natürlich, mal mit Aufräumen und Saubermachen (wir haben Fledermäuse mit reger Verdauung im Zimmer, und das große Käfersterben), mal gehen wir auch einfach nur Spazieren oder „kupumziken“ ((kiswahili kupumzika = ausruhen). Abends begeben wir uns manchmal mit in die Küche, um Kochen zu lernen. Interessanterweise herrscht in unserer Familie die Vorstellung, wir könnten gar nicht kochen oder backen. So wurden wir schon öfter halb erstaunt halb entsetzt angeguckt, wenn wir etwas in die Richtung gemacht haben. Vor allem Teig kneten ist anscheinend undenkbar. Mmein Gastbruder wollte mir nicht glauben, dass ich den tatsächlich vom Mehl bis zum fertigen Teig ganz allein hergestellt habe, meine Gastschwester hat mich gefragt, wer mir das beigebracht hat. Als ich sagte „meine Mama“ war sie fassungslos, dass die das ja auch kann. Das wirkt auf uns immer etwas irritierend.
Abends duschen wir dann immer noch, sobald das Duschwasser heiß ist, da wir ja kein fließendes Wasser haben, muss das Wasser vorher gekocht werden, wird dann mit kaltem Wasser gemischt und wir können duschen. Mit zwei Eimern, einem großen mit Wasser drin und einem kleinen zum schütten. Funktioniert hervorragend und man kann nicht eine halbe Stunde duschen, weil man fertig ist, wenn der Eimer leer ist.
Gegessen wird hier zwischen neun und zehn. Abends ist das Essen etwas abwechslungsreicher als Mittags und meistens sehr lecker. Bis jetzt aht uns immer alles geschmeckt. Besonders hoch im Kurs stehen bei mir „Wali na maharge“ (Reis mit Bohnen) und „Makande“ (Mais-Bohnen-Eintopf). Selten gibt es auch mal Chapati, die dann Luise und ich machen dürfen. Wenn es abends nochmal Ugali gibt, bekommen Luise und ich und Mama meistens Nudeln, was uns ganz gelegen komm, da Ugali nicht so cool ist, dass ich ihn zweimal täglich essen müsste. Unsere Abendbeschäftigung heißt dann oft „Spielen“! Mittlerweile wechseln wir zwischen Knack, Halli-Galli, Scrams und Lobo 77 (auf Swahili, nicht so einfach, wenn man müde ist). Danach sind wir auch so müde, dass wir uns nach einer Runde Zähneputzen unterm Sternenhimmel direkt ins Bett begeben. Manchmal gucken wir abends aber ach noch einen Film :)
Das ist so ungefähr, was wir hier so täglich machen. Weiter Fragen bitte direkt an mich :)

Mein Traumurlaub... (die Länge tut mir leid...)

Was soll ich sagen?
Es war spitzenklasse!
Allerdings auch ein bisschen zu warm, solange man nicht gerade am Strand war, ist man praktisch zerflossen. Dafür haben wir aber auch ziemlich geniale Sachen gesehen und gemacht.
Ich fange mal vorne an:
Gewürztour
Prisonisland
Schnorcheln mit Delfinen
Dschungel
Affen
Mangroovenwald
Stadterkundung
Party
Strand
usw.
Also alles ziemlich cool!


Zu den Einzelheiten:
Die Gewürztour haben wir am ersten Nachmittag gemacht. Dazu sind wir ein Stückchen aus der Stadt hinausgefahren, bis zu einer Gewürzplantage. Dort hat uns ein Führer die ganzen Gewürze gezeigt, erklärt und uns immer kleine Proben mitgegeben. Dabei kann man sich so eine Plantage ganz schlecht vorstellen, wenn man sie nicht selbst gesehen hat. Es gab nämlich keine abgegrenzten Felder für die einzelnen Gewürze, das meiste wuchs einfach kreuz und quer durcheinander, was vermutlich den Sinn hat, dass das Ökosystem besser funktioniert, es für die ganzen Touris einfach schöner aussieht und man schneller alles zeigen kann. Schön sah es sogar wirklich aus. Die meisten Plantagen dienen ja auch nicht mehr der Gewürzerzeugung, sondern lediglich dem Tourismus. Aber dadurch sehen die Pflanzen ja nicht anders aus. Das war schon sehr interessant, zu sehen, wo die ganzen Gewürze so herkommen. Auch wenn man weiß, dass Cumin auch Gelbwurz heißt, ist es schon interessant eine Wurzel in der Hand zu, haben, daran zu knabbern und am Geschmack und der Farbe der Finger zu erkennen, dass es der Ursprung dessen ist, was wir maximal in Pulverform im Supermarktregal finden. Viele der Gewürze waren aber dennoch leicht zu erkennen, sofern man ein bisschen weiß, wie sie ursprünglich aussehen, wie eine Vanilleschote, oder wo sie herkommen,wie die Rinde des Zimtbaumes. Die ergibt geschält und getrocknet die schon gerollte Variante, die wir kennen. frische Zimtrinde riecht aber um einiges besser!


Prisonisland war für uns alle ein unbeschriebenes Blatt, da wir uns darunter recht wenig vorstellen konnten und uns im Vorfeld auch nicht so ausführlich darüber erkundigt haben. Ich hatte mich auf ein Gefängnismuseum eingestellt. Was haben wir gefunden?
Riesenschildkröten. Die waren zwar auch nett anzusehen und beeindruckend, so mit 108 Jahren, aber irgendwie unerwartet.
Dafür konnte man aber ganz gut schwimmen, was wir auch direkt mal ausprobiert haben. Unser erster Schritt in den indischen Ozean. Ein Traum. das sah aus wie auf einer Postkarte, türkis-blaues Wasser, weißer Strand, die Sonne, die sich langsam senkt. Wirklich und wahrhaftig traumhaft! Leider währte unser Traum nicht solange, weil wir ja auch wieder zurück mussten. Das bedeutete eine halbe Stunde Bootsfahrt. Das muss dann nicht in der Dunkelheit sein.


Früh am nächsten Morgen sind wir dann auch wieder raus aus den Federn und sind weiter an einen anderen Strand, haben uns wieder in unsere Badeklamotten geschmissen, haben uns Taucherbrille und Schnorchel an den Kopf und Flossen an die Füße geschnallt und uns wieder in ein kleines Boot geschwungen und sind raus aufs Meer gedüst. Wir waren aber nicht ganz so alleine wie wir dachten. Mit uns waren etwa zehn andere Boote auf dem Wasser. Vollbesetzt mit Touris. Nicht das wir groß was anderes waren, aber trotzdem, waren es viele. Das ganze hatte dann auch mehr etwas von Delfine jagen, als von suchen. Sobald ein Boot die Tiere erspäht hat, sind alle hin, haben einen Kreis um die Stelle gebildet und auf Kommando ist jeder ins Wasser gehüpft. Wenn man Glück hatte, hat man die Delfine von oben beim Abtauchen gesehen. Wenn man ganz viel Glück hatte, hat man sogar einen von der Seite gesehen. Ein unglaublicher Anblick kann ich euch sagen.Die Tiere wirken im Wasser wunderbar elegant und sehen wunderschön aus. Außerdem habe ich noch einen riesigen Sardellenschwarm gesehen. Nachdem die Delfine dann wieder abgetaucht waren, um irgendwo anders rumzuschwimmen und zu jagen, haben sich alle wieder in die Boote gehievt und darauf gewartet, dass die Delfine ein weiteres Mal zum Luftholen auftauchen. Dann ging das ganze Theater wieder von vorne los. Nach ca. einer Stunde haben wir dann den Rückzug angetreten. Wir haben dann am Strand noch in bisschen geplanscht. Oder uns mit Wassermelone und Ananas in den Schatten, bzw. die Sonne gehauen, je nach Belieben. Das war doch schon mal richtiges Urlaubsfeeling. Dann war es auch schon wieder Zeit weiterzufahren. Wir hatten ja einen strengen Zeitplan, und das im Urlaub.


Weiter ging es zu einem kleinen Nationalpark, der den Urwald, die Affen und den Mangroovenwald beherbergte.Dort angekommen, ging es erst einmal los auf einen kleinen Streifzug durch den Dschungel. Für den wir natürlich mit Flip-Flops, Tops, Röcken und kurzen Hosen bestens präpariert waren. Oder auch nicht. Immerhin konnte man uns so kaum noch vom Durchschnittstouri unterscheiden.Links und rechts hat man uns dann immer mal wieder auf ein paar besondere Pflanzen aufmerksam gemacht, die gegen bestimmte Krankheiten helfen, oder eine besondere Geschichte haben.
Als zweites ging es dann zu den Affen, Das sind um genau zu sein, gehören sie der Art der Red-Columbus-Monkeys an und heißen Kirk-Stummelaffen. Ein sehr schöner Name, wie ich finde. Die hingen dann auch einfach mal so im Baum rum oder sind an uns vorbei über den Weg geflitzt. Durch die ganzen Besucher, die dort ständig vorbeikommen, sind sie ja auch an Menschen gewöhnt, Allerdings sind sie nicht zahm, sodass sie einem auf die Schulter springen oder so. Nett anzusehen sind sie aber, wenn sie da so neben und über einem in den Bäumen rumhängen.
Der letzte Attraktionspunkt im Jozani-Nationalpark, so der Name, war dann der Mangroovenwald. Der zum einen natürlich Mangrooven, zum anderen aber auch kleine Krebse zu bieten hat. Diese saßen auf dem Boden im Schlamm und haben lustig mir ihren etwas überdimensioniert wirkenden Scheren gewinkt. Wobei jeder nur eine große Schere hat, an welcher Seite, wird durch das Geschlecht bestimmt. Die Mangrooven selbst beeindrucken vor allem durch ihre Luftwurzeln. Die wachsen einfach aus den oberen Ästen raus und reichen bis in den Fluss oder hängen einfach so in der Gegend rum. Das hat was.


Den Nachmittagspunkt, eine Stadtführung mit allen Sehenswürdigkeiten, hatten wir am Abend vorher schon gestrichen, weil wir uns dachten, dass es dafür vielleicht etwas zu warm sein könnte. Und wir hatten so Recht damit. Wir haben uns dann selbst aufgemacht um ein bisschen was von der Stadt zu sehen, ein bisschen durch die Straßen und Läden zu schlendern und einfach zu genießen. Das war bei der Hitze gar keine so schlechte Idee. Stone Town ist eine sehr weit verwinkelte kleine Stadt, in der man schnell mal den Überblick verlieren kann, wenn man nicht genau weiß, wo im Gassengewirr man sich gerade aufhält. Aber da die Sansibaris sich als mindestens genauso hilfsbereit erwiesen wie alle anderen Tansanis, die wir bisher kennengelernt haben, war auch das kein Problem. Vorbei an weißgetünchten Häusern, aus denen es nach Nelkenrauch riecht, durch enge Gassen, in denen sich immer wieder kleine Gruppen älterer Männer zu einem Schwätzchen treffen und über kleine Plätze, auf denen sich die Kinder zum Spielen versammeln, hat uns unser Weg dann auch wieder mal zu unserem Lieblingsrestaurant geführt. Dort gab es typisch sansibarische Kost zu normalen Preisen. In diesem Lokal waren wir etwa täglich mindestens einmal, solange wir uns in Stone Town aufgehalten haben. Dort haben wir auch viele verschiedene Menschen getroffen, bekannte Gesichter, von Freiwilligen hier aus der Ecke, neue Gesichter von anderen Freiwilligen und Reisenden und auch neue Gesichter von Einheimischen, die sich noch als sehr hilfreich erweisen sollten.


Denn da wir schon mal auf einer Insel waren, auf der es durchaus auch etwas freier zugeht, als bei uns auf dem Land, haben wir uns gedacht, nutzen wir doch mal die Chance und gehen feiern. Soweit unser Vorhaben. Wie wir das dann in die Tat umsetzen wollten, wussten wir noch nicht, aber der Ansatz war da. Da erwiesen sich die Einheimischen als sehr hilfreich. Der erste den wir kennenlernten, kannte nämlich einen weiteren, der ein großes Auto hatte, der uns also fahren könnte. Der kam dann auch direkt, wir saßen gerade in unserem kleinen Restaurant, und wir haben den Abend geplant. Eigentlich wollten wir nur für Silvester planen, was ja kurz vor der Tür stand, aber, da wir schon mal dabei waren, haben wir den Abend des gleichen Tages gleich mit verplant.So wurden wir am Abend auch direkt abgeholt, von unserem Fahrer und zwei seiner Freunde und los gings. Ab zum Strandclub. Wir Mädels durften dann auch einfach so rein, die Jungs mussten alle bezahlen. Pole sana! Der Club war gut gefüllt, wer keine Lust auf Tanz und Bar hatte, konnte draußen den Blick aufs Meer genießen. Die Musik wurde von einem Muslim im Kaftan aufgelegt, was sehr interessant aussah, aber an der Musik ja nichts geändert hat. Auf der Tanzfläche herrscht dann auf einmal plötzliche Leere, da sich zwei ausgesprochen gute Tänzer vorgenommen hatten, sich ein kleines Duell zu liefern. Damit haben sie alle anderen etwas verschreckt. Oder einfach dazu gebracht ihnen zuzuschauen, was auch definitiv einen Anblick wert war. Amrei hat dann beschlossen das Eis zu brechen und sich dazwischen geschmissen. Daraufhin hat sich die Tanzfläche auch recht schnell wieder gefüllt. Ich hatte beschlossen, mir das ganze erst einmal vom Rand aus anzusehen. Dieses Vorhaben wurde zunichtegemacht, als einer der Tänzer von vorher beschloss mich mitzunehmen. Luises und Amrei waren nämlich bei diesen beiden hängen geblieben, zu denen sich dann auch noch ein Dritter hinzugesellte. So war also für jede von uns drei ein sansibarischer Tänzer da. Beziehungsweise umgekehrt. So löste sich unser Kreis dann auch bald auf, da sich jeder der drei Kerle eine von uns ausgesucht hatte. So wurde aus dem Gruppentanz ein Paartanz. Wobei es nicht dabei blieb, dass man sich nur anguckt, nein, das ganze wurde ziemlich flott sehr körperbetont. Distanz verringert, Hände auf die Schultern. Kein Problem, wir waren ja nicht zum Spaß da. Dann fingen die Hände an zu wandern. Schulterblätter, oberer Rücken, unterer Rücken, Taille, Hüfte, auch alles noch kein Problem. Als seine Hände dann allerdings bei meinem verlängerten Rücken ankamen, dachte ich mir, vielleicht sollte ich ihm doch mal die Grenze zeigen, man weiß ja nie, wo das noch so hinführt. Also habe ich kurzerhand seine Hände an ihren Platz zurückgelegt. Den Wink mit dem Zaunpfahl hat er dann auch verstanden. Trotzdem kam es vor, dass wir Mädels uns gegenseitig oder von Jonas aushelfen lassen mussten, wenn es doch etwas zu weit ging. Das hat auch prächtig funktioniert, So haben wir den ganzen Abend bestritten. Die Jungs sind uns aber den ganzen Abend überaus treu geblieben. Heiraten wollten sie uns aber zur Abwechslung mal nicht. Jedenfalls hat das keiner gesagt...
Silvester war dann allerdings doch eine Spur anstrengend. Dort waren wir mit einer größeren Gruppe, alles Leute, die wir in dem kleinen Restaurant kennengelernt hatten. Doch auch hier gab es eine ganze Reihe Einheimischer, die sich außerordentlich dafür interessierten, mit uns zu tanzen. Ich weiß zwar nicht warum, aber, sie taten es.Manche mal mehr, mal weniger offensiv, aber alle mit dem gleichen Ziel. Jonas, der natürlich mit von der Partie war, hat sich dann als unser Bruder ausgegeben und den einen oder anderen Kerl abgehalten. Er wurde aber auch interessanterweise öfter von Kerlen gefragt, ob er ihnen erlauben würde, mit uns Mädels zu tanzen. Dafür hat er sogar auf sich genommen selbst mit ihnen zu tanzen, wenn wir unsere Abneigung bekundet hatten. Was auch ziemlich lustig war. Zum einen kann das ja recht schmeichelhaft wirken, wenn man so von den ganzen Kerlen umschwirrt wird, wenn aber auf vier Mädels sechs Jungs kommen, wird es doch anstrengend. Wir hatten trotzdem, zum Teil auch gerade deswegen einen sehr lustigen Abend, bzw. eine sehr lustige Nacht. Zum Jahreswechsel haben wir dann am Strand angestoßen. Weißer Sand, blaues Meer, eine sternenklare Nacht, ein Feuerwerk, was will man mehr...
Zurück kamen wir, als es schon wieder hell wurde.


Am ersten Tag des neuen Jahres haben wir dann auch direkt unseren Strandurlaub begonnen. Dazu sind wir ein ganzes Stück rausgefahren an den Jambianibeach, wo wir zuerst einmal eine herbe Enttäuschung erlebten. Den Bungalow, den wir dachten, gebucht zu haben, gab es gar nicht. Stattdessen reichte unser Budget nur für ein Bett in einem Schlafsaal. Na super!! Na ja, an so einem Ort kann man sich seine Laune ja nicht mies machen lassen, also beschlossen wir erst einmal zu nehmen, was wir kriegen konnten und dann weiterzusehen. Unsere Laune haben wir sofort mit einem langen Strandspaziergang aufbessern können. Als wir ein ganzes Stück gelaufen waren, kamen wir an eine kleine Strandbar, die wir uns für die nächsten Tage merken wollten. Ein Pavillon aus dem leise Reaggemusik erklang und der von einigen Rastas geführt wurde. Einer der Rastas hat dann auch spontan Amrei angesprochen, ob er uns nicht ein Zimmer besorgen soll. Amrei hat also gleich die Chance erkannt und zwei Doppelzimmer mit Frühstück rausgehandelt, für einen besseren Preis, als wir ihn in unserem Schlafsaal gekriegt hatten. Also sind wir am gleichen Abend nochmal wieder umgezogen. Also den Weg zurück, alle Sachen gepackt und zurück zum Rastaladen. Als wir dort angekommen waren, war es schon dunkel, aber wir hatten eine superklasse Unterkunft, auch wenn alles etwas anders gekommen war, als wir uns das vorgestellt hatten. Die folgenden Tage haben wir dann hauptsächlich mit Sonnen, auf die Flut warten, die nie kam und es uns gut gehen lassen verbracht. Das alles mit großem Erfolg. Wir haben allerdings die Sonne etwas unterschätzt, denn trotz fünfziger Sonnencreme, sahen wir am Abend alle etwas gerötet aus. Daraus haben wir gelernt, uns besser einzuschmieren und lieber braun zu werden. Dieses Vorhaben war von großem Erfolg gekrönt. Ist bei der Sonneneinstrahlung ja auch nicht allzu schwierig.
Insgesamt hatten wir dort einen fantastischen Urlaub! Gekennzeichnet durch viel Pilau, wenig Wasser, wir konnten mehrere Hundert Meter weit ins Wasser laufen, ohne, dass das Wasser mal unsere Knie überstiegen hätte, Außer als wir nachtbaden waren. Da war tatsächlich Wasser da, das reichte um zu schwimmen. Dafür waren aber auch kleine Tierchen da, die uns ein wenig zerbissen haben.


Donnerstag, 12. Januar 2012

Weihnachten auf tansanisch

Mein erstes nicht-deutsches Weihnachtsfest liegt nun weitgehend hinter mir. Wie zu erwarten sind einige Dinge anders gelaufen, als wir das von zuhause gewöhnt waren. Der erste Unteschied: Der Heiligabend, wie wir ihn feiern, wird hier gar nicht gefeiert. Weihnachten beginnt erst mit dem 25. Dezember. Wir haben deswegen den 24. damit verbracht, kleine Donut-Maandazi (ringförmiges Hefe-Fett-Gebäck) zu produzieren. Leider hat auch hier unser Plan wieder nicht funktioniert, da die Hefe, mit fünf Stunden Verspätung eingetroffen ist. Aber wir lassen uns ja durch gar nichts mehr aus der Ruhe bringen. Kritisch wurde es erst, als wir festgestellt haben, dass wir es nie und nimmer schaffen können, die ganzen Teigteilchen abzubacken, bevor wir zu Kirche wollten. Denn auch hier gibt es eine Christnachtmesse. Diese sollte um zehn Uhr beginnen (pünktlich). Um viertel vor neun hat man uns dann darauf aufmerksam gemacht, dass wir schon ganz schön spät drann sind. Da war noch nicht einmal das Öl heiß, geschweige denn wir fertig. Also haben wir erstmal gegessen und überlegt, was wir machen können. Glücklicherweise hat sich Mama bereit erklärt für uns zu backen. Darum mussten wir uns also keine Sorgen mehr machen. Blieb nur noch das Zeitproblem. Wir haben unser bestes gegeben uns so schnell wie möglich mehr oder weniger präsentabel herzurichten. Allerdings dachten wir, wir müssten noch auf Hilary warten, der auch mitwollte. Aber der war gar nicht zu Hause. Als wir dann endlich fertig waren, nachdem alle zwei Minuten jemand gesagt hat, dass wir zu spät sind und wir uns beeilen müssen und der Gottesdienst wirklich pünktlich anfängt,waren wir dann soweit. Schön hergerichtet in unseren neuen Weihnachtskleidern, waren wir nun endlich bereit den halbstündigen Marsch zur Kirche anzutreten. Da wir ja alle aufgehalten hatten und dem zufolge viel zu spät waren (waren wir eigentlich nicht) sind wir sogar im deutschen Tempo gelaufen. Denn auch das ist hier in Ausnahmefällen möglich. Doch wir waren noch keine zehn Minuten unterwegs, als wir die erste Pause eingelegt haben, weil Toni und Amos losgeschickt wurden um Hilary einzusammeln. Sophia, Luise und ich haben an der Straße auf die drei gewartet. Und das ganz schön lange. Da hab ich mich doch glatt gefragt, warum man uns vorher so angetrieben hat? Irgendwann waren wir dann aber endlich komplett und konnten unseren Marsch fortsetzen. An der Kirche angekommen, war dann noch mehr als genug Zeit, um alle möglichen Leute zu grüßen  und diverse kleine Schwätzchen zu halten. Wir waren also mitnichten spät dran. Auch der Pastor stand noch draußen um sich zu unterhalten. Der zweite kam dann noch ein bisschen später.Um viertel nach zehn begann dann die Messe. Den ersten Schock habe ich allerdings schon bekommen, als ich die Kirche voninnen gesehen habe. EIgentlich ist es eine kleine schlichte Dorfkirche mit fast gar keinem Kitsch, nur die Marienfiguren sind hier alle etwas gewöhnungsbedürftig. Was jetz allerdings mit der Kirche passiert war, war für meinen Geschmack dann doch etwas zu viel. Schon draußen hatten wir uns über die Wimpelgirlanden gewundert, die vor der Tür und über dem Vorplatz hingen, ganz zu schweigen, von den Palmen, die neben der Tür standen. Das sah dann doch eher nach Beacparty, denn nach Weihnachten aus. In der Kirche hingen dann noch mehr Girlanden, die Wand hinter dem Altar war rund um das große Holzkreuz mit bunten Tüchern verhängt und alles andere war in weiße Tücher gehüllt worden. Sehr abschreckend fand ich allerdings die Krippe. Man kann sie sich von der Form her vorstllen, wie ein Kasperletheater (ebenfalls weiß verhüllt). In dem "Bühnenbereich war dann die Krippe aufgebaut. Diese bestand aus einigen kleinen Figuren, die Josef, Maria und die Hirten darstellten und einem völlig überdimensioniertem Jesuskind. Dieses wurde nämlich durch eine kleine Puppe verkörpert, während alle anderen Fiduren etwa so groß wir Playmobilmännchen waren. Damit hätte ich ja an sich kein Problem gehabt, schließlich hat man ja nur hervorgehoben, worum es an Weihnachten geht, aber dass das ganze von Lichterketten umsäumt war, war dann doch zu viel für mich. Das waren nämlich keine schlichten, ruhigen Lichterketten, sondern blinkende, farbige, herzchenförmige Lichterketten. Und davon gleich vier, die sich in den Farben unterschieden und sich nie auf einen einheitlichen Blinkrhythmus einigen konnten. Einige blinkten stetig den gleichen Rhythmus, andere wechselten Interwallweise von bruhigendem, langsamen Blinken zu hektischem und sehr beunruhigendem Fackern und wieder ander hatten überhaupt keine Kontinuität in ihrem Leuchten. Das hat mich dann doch ein wenig abgelenkt. Kaum vorstellbar, wenn es die ganze Zeit über blinkt und leuchtet und flackert. Verschönert wurde der ganze Altarraum dann noch durch einige weiter Palmen(wedel).
Mir sind einfache Tannenbäume und die Krippe von zuhause, die zwar auch auffällig ist, aber mehr Ruhe ausstrahlt, dann doch etwas lieber.

Am nächsten Morgen war dann die Weihnachtsmesse. Wir sind zuhause geblieben, um beim Kochen zu helfen. Hauptsächlich haben wir Gemüse kleingeschnippelt. Zur Feier des Tages gab es sogar eine Ente oder Gans (so genau weiß ich das nicht). Dazu Pilau (Gewürzreis), normalen Reis, Nudeln, Kochbananen-Wurzelgemüse-Eintopf und Pilipili (eine sehr scharfe Soße aus grüner Papaya und Chilischoten). Das war schon mal sehr lecker. Außerdem gabs noch eine Soda für jeden. Da lohnt sich Weihnachten schon.

Der Weihnachtsbrauch hier heißt "kutembelea" (swahili: "jemanden besuchen"). So sind auch wir am Nachmittag mit Hilary und Sophia losgegangen um Leute zu besuchen. Wegen eines Übersetzungsfehlers unsererseits,dachten wir, wir würden nur kurz spazieren gehen. Wir waren letztendlich ca. 4 Stunden unterwegs. Deswegen sind wir auch erst bei Dunkelheit nach Hause zurückgekehrt. Da wir ziemlich weit gelaufen sind, um die Bekannten zu besuchen, mussten wir entsprechend weit zurücklaufen. Und das in der Nacht. Auf halber Strecke sind noch unsere kleinen Brüder mit Freund zu uns gestoßen, so dass wir mit ziemlich vielen Menschen unterwegs waren. Da hier bei Dunkelheit die Bordsteine hochgeklappt werden, und dann auch eigentlich keiner mehr auf der Straße ist, waren wir relativ allein. Das führte dazu, dass wir etwas länger für den Weg gebraucht haben, als gedacht, weil wir kreuz und quer über die Straße geeiert sind und zwischendurch mal kurz angehalten haben, um die Sterne und die vielen Sternschnuppen der Weihnachtsnacht zu betrachten, oder ein spontanes Tänzchen einzulegen. Insgesamt hatten wir sehr sehr viel Spaß.
Am Abend haben wir dann noch eine kleine Bescherung gemacht und uns riesig über die Begeisterung der ganzen Familie gefreut.
Das war im großen und ganzen unser Weihnachtsfest, da wir am zweiten Feiertag Wäsche gewaschen haben, um für die Reise nach Sansibar alles sauber zu haben. Von der Reise später mehr.